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Ab dem 1. Juli 2021 kommen wichtige Änderungen auf den EU-Markt zu, die den E-Commerce-Sektor betreffen können. Prüfe jetzt, welche Besteuerungsregeln für Waren gelten, die von Lieferanten aus Drittländern in EU-Mitgliedstaaten versandt werden. Was wird sich für Verkäufer ändern, die Waren in Europa lagern? Die durch die Richtlinie (EU) 2017/2455 des Europäischen Rates eingeführten Änderungen bei der Steuerveranlagung sind für neue Verkäufer, die aus der EU verschiffen, von Vorteil.

Was sind die neuen EU-Vorschriften zur Warensteuer?

Bis zum 1. Juli 2021 galt eine 22-Euro-Freigrenze für die Einfuhr von Waren aus Drittländern. Sie konnten abgabenfrei in die EU-Länder eingeführt warden, wenn ihr Wert 22 Euro nicht überstieg. Diese Regelung wurde oft genutzt, um wertvollere Sendungen zu registrieren und deren Preis zu senken, damit keine Steuer gezahlt werden musste. Dies bedeutete große Verluste für den EU-Steuerzahler. Es wurde daher beschlossen, bestimmte Änderungen für Verkäufer einzuführen, die Waren aus Lagern außerhalb der EU versenden oder in einem Drittland ansässig sind.

Was ändert sich steuerlich?

  • Der Mehrwertsteuerfreibetrag wurde komplett abgeschafft; diese Steuer muss unabhängig vom Wert der Sendung gezahlt werden. Der Verkäufer muss sie auch dann zahlen, wenn er den Wert des Inhaltes von 1 Cent bestimmt.
  • Die Befreiungsbestimmungen von der Zahlung der Einfuhrumsatzsteuer für die Sendungen, die eine bestimmte Preisgrenze nicht überschreiten, wurden aufgehoben.
  • Verkäufer aus dem Nicht-EU-Ausland müssen alle Waren, die sie in die EU versenden wollen, vorab mit einem elektronischen Formular registrieren.
  • Für Transaktionen bis zu 150 €, die aus einem Drittland gesendet werden und nicht zollpflichtig sind, wird ein neues Verfahren eingeführt. Ein nicht in der EU ansässiger Steuerpflichtiger muss einen Vermittler damit beauftragen, in seinem Namen monatliche Umsatzsteuererklärungen abzugeben und die fälligen Steuern zu zahlen.

Prüfe die Vorteile dieser neuen Lösung für Unternehmen mit Sitz in einem der Mitgliedsstaaten. Wenn Du Fragen oder Bedenken zum Verkauf auf Amazon hast, vereinbare einen Termin für eine Fachberatung.

Erleichterungen für Gewerbetreibende mit Sitz in einem der EU-Mitgliedstaaten

Wenn Dein Unternehmen in Polen oder einem anderen EU-Mitgliedsstaat ansässig ist, kannst Du die Vorteile des neuen Mehrwertsteuer-Abrechnungsmechanismus, des sogenannten One Stop Shop (OSS), nutzen. Es ist eine Überlegung wert, sich für OSS zu registrieren, da es die Abrechnung dieser Steuer im Gemeinschaftshandel wesentlich erleichtert. Es genügt, dass Du in einem der EU-Länder als Zahler dieser öffentlichen Abgabe registriert sind.

Daher musst Du seit dem 1. April dieses Jahres nicht mehr in jedem Land, in das Deine Sendungen gehen, eine Steueridentifikationsnummer beantragen, wenn Du Waren an Kunden mit Wohnsitz innerhalb der Gemeinschaft verkaufen willst. Dies gilt für Unternehmen, deren jährlicher Gesamtumsatz innerhalb der Gemeinschaft 10.000 EUR nicht übersteigt. Du musst also nur eine deutsche Umsatzsteuer-Identifikationsnummer haben und dich bei der OSS registrieren lassen, um ohne Hindernisse auf dem europäischen Markt handeln zu können. Dadurch wird vermieden, dass 26 weitere Identifikatoren bei anderen ausländischen Finanzämtern beantragt werden müssen. Detaillierte Informationen sind unter folgendem Link zu finden: Guide to the VAT One Stop Shop. Du kannst auch vom Fachwissen der Experten für den Verkauf auf Amazon profitieren, die mit Dir alle Unklarheiten besprechen und bei den für den Verkaufsstart erforderlichen Formalitäten helfen.

Welche Auswirkungen haben die neuen Steuervorschriften?

Laut Marketplace Pulse gibt es derzeit etwa 6 Millionen Verkäufer auf Amazon. Mehr als die Hälfte kommt aus Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko) und ¼ aus Europa. Auf dem europäischen Marktplatz bieten viele Unternehmen Waren auf mehreren oder allen lokalen Marktplätzen an. Es wird geschätzt, dass bis zu 40 % davon Chinesen sind. Zum Beispiel sind von 691 Tausend Verkäufern auf Amazon.de mehr als 180 Tausend chinesische Firmen, und etwa 200 Tausend haben ihr Land nicht angegeben. Es ist daher anzunehmen, dass sie auch aus Ostasien stammen.

Abbildung 1 Anzahl der Verkäufer auf Amazon nach Region (Stand: März 2021)

Quelle: Amazon überschreitet die Marke von sechs Millionen Drittverkäufern, https://www.marketplacepulse.com/articles/amazon-reaches-six-million-third-party-sellers

 

Die Einführung neuer Steuervorschriften in der EU wird es für lokale Unternehmen einfacher machen, da sie sich nicht mehr bei vielen Steuerbehörden registrieren lassen müssen. Außerdem werden die asiatischen Konkurrenten gezwungen, ihre Waren- und Dienstleistungssteuer dort zu zahlen, wo die Verkäufe tatsächlich stattfinden – in Europa. Die Abschaffung der Steuerbefreiung für Sendungen bis zu 22 € wird die Steuereinnahmen der Mitgliedstaaten erhöhen.

Welche Vorteile hat OSS für Verkäufer auf Amazon?

Schätzungen zufolge betrugen die Verluste durch die Mehrwertsteuerlücke im Jahr 2020 etwa 7 Milliarden Euro. Die neue Richtlinie soll unter anderem Versuche unterbinden, die Preise für Waren, die auf diesen Markt kommen, zu unterbieten. Für Verkäufer bedeutet dies:

  • fairer Wettbewerb; Einführung von Fairplay-Regeln, die alle innerhalb der Gemeinschaft online verkaufenden Unternehmen zur Zahlung der Mehrwertsteuer verpflichten;
  • das Ausschließen von Unternehmen, die früher Gewinne durch die Unterbewertung von Sendungen erzielten, was in der Zukunft weniger profitabel sein wird;
  • für Unternehmen, die in der EU ansässig sind, die Möglichkeit, vom OSS zu profitieren – dem einheitlichen Steuermechanismus, der es ihnen erleichtert, auf dem europäischen Markt zu agieren, sofern ihr Umsatz 10.000 Euro pro Jahr nicht überschreitet (insgesamt für den gesamten EU-Markt);
  • Zunahme an Bedeutung des Angebots von höherwertigen Produkten; bisher musste man auf den Verkaufsportalen mit viel billigeren Produkten aus Asien konkurrieren; ab Juli werden die Kunden, wenn sie die Wahl zwischen zwei ähnlichen Angeboten haben, auch andere Parameter als den Preis vergleichen, was die Chance auf den Verkauf von Waren besserer Qualität erhöhen wird.

 

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Schon die Ankündigung der Änderungen hat Wirkung gezeigt. Bereits im Jahr 2018 wurde bekannt, dass Shopping-Plattformen wie Amazon, eBay & Co. für möglichen Steuerbetrug ihrer Kunden verantwortlich sind. Die Portale haben deshalb neue Registrierungsregeln eingeführt. Sie haben begonnen, eine lokale Steuernummer von allen Verkäufern zu verlangen. Auf diese Weise können sie sicher sein, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Steuern auf Verkäufe über den Dienst gezahlt werden.

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In Deutschland, beim Finanzamt Berlin-Neukölln, das ausländische Unternehmen für die Umsatzsteuer registriert, ist die Zahl der für diese Steuer registrierten chinesischen Unternehmen innerhalb von drei Jahren von 435 auf 40 Tausend gestiegen (Daten vom September 2020). In dieser Zeit wurden dort pro Woche 400-600 Anträge auf eine Steuernummer gestellt.

Wie wird der Verkauf von Waren aussehen, die nicht aus der EU oder von nicht in der Gemeinschaft ansässigen Verkäufern verschickt werden?

Wie der österreichische „Der Standard“ berichtet, planen die hiesigen Zollbehörden ab dem 1. Juli verschärfte Kontrollen von Kleinsendungen und „Geschenkpaketen“, die aus Drittländern nach Österreich kommen. Dadurch wird deren Überprüfung ermöglicht. Der deklarierte Wert wird mit dem tatsächlichen Betrag, der in das Formular eingetragen werden soll, abgeglichen. Die Beamten werden auch effizienter bei der Identifizierung von Waren sein, die nicht in die EU eingeführt werden dürfen.

 

Mit den geplanten Regelungen werden auch Situationen beseitigt, in denen Unternehmen mit Sitz in Asien Produkte aus den europäischen Lagern von Amazon (FBA) versenden. Theoretisch können sie dann innerhalb der EU verkaufen. Von nun an muss auch in diesem Fall die Mehrwertsteuer in Europa gezahlt werden. Bisher wurde dies meist an den Kunden weitergegeben. Es war möglich, diese Gesetzeslücke auszunutzen und mit Glück zu rechnen, wenn die Steuerbehörden nicht erkannten, dass ein steuerfreies Geschäft zwischen einem europäischen Verbraucher und einem asiatischen Verkäufer abgeschlossen worden war.

 

Ab dem 1. Juli 2021 wird dies nicht mehr möglich sein. Die Waren- und Dienstleistungssteuer wird ausnahmslos auf jedes Produkt fällig, unabhängig von dessen Wert. Wenn Du weitere Informationen wünschst, wende Dich sich bitte an die Experten. Wir bereiten Dein Unternehmen auf den Verkauf auf der Amazon-Plattform vor!

 

Happy selling

 

Go2Market Crew

 

Amata Borys – Chudek

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