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Neue EU-Vorschriften für Verpackungen – was jeder Amazon-Verkäufer über die ROP wissen sollte

20.04.2026

Datum der letzten Aktualisierung: 20.04.2026

Ab dem 12. August 2026 müssen Verkäufer, die auf dem europäischen Markt tätig sind, neue Anforderungen an Verpackungen erfüllen. Die neue Verordnung der Europäischen Union 2025/40 ersetzt die bisherigen Vorschriften und führt einheitliche Standards in allen Mitgliedstaaten ein. Für Amazon-Verkäufer bedeutet dies vor allem eines - die Notwendigkeit, sich in jedem Land, in dem sie verkaufen, im EPR-System zu registrieren.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist EPR und warum ist es jetzt so wichtig?

  2. Welche Verpackungen unterliegen den neuen Vorschriften?

  3. Wer ist im Sinne der Vorschriften der Hersteller?

  4. Wie läuft der Registrierungsprozess ab?

  5. Bevollmächtigte Vertreter - wann werden sie benötigt?

  6. Was ist mit dem Service "Pay on Behalf"?

  7. FBA - wer ist für welche Verpackungen verantwortlich?

  8. Welche Konsequenzen drohen bei Nichteinhaltung der Anforderungen?

  9. Zeitplan - wann passiert was?

  10. Großbritannien - ein Sonderfall

  11. Wie geht es weiter?

  12. FAQ - häufig gestellte Fragen

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Was ist EPR und warum ist es jetzt so wichtig?

Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) ist ein System, das Unternehmer zur finanziellen Beteiligung an der Verwertung der Abfälle verpflichtet, die aus ihren Verpackungen entstehen. Klingt abstrakt? In der Praxis bedeutet das drei grundlegende Pflichten:

1. Registrierung - in jedem Land separat!

Das ist die wichtigste Änderung. Sie müssen sich als Verpackungshersteller in jedem EU-Land registrieren, in dem Sie erstmals verpackte Waren auf den Markt bringen. Eine einzige Registrierung für die gesamte Union reicht nicht aus - jedes Land hat sein eigenes System und sein eigenes Register.

Ein Beispiel? Wenn Sie auf Amazon in Deutschland, Frankreich und Spanien verkaufen, benötigen Sie drei separate Registrierungen:

  • In Deutschland - im LUCID-System (Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister)

  • In Frankreich - über das staatliche Portal Filières à REP

  • In Spanien - über MITECO

2. Berichtspflichten - detaillierte Verpackungsdaten

Nach der Registrierung müssen Sie regelmäßig berichten:

  • Wie viele Kilogramm Verpackungen Sie in einem bestimmten Land auf den Markt bringen

  • Aus welchen Materialien sie bestehen (Kunststoff, Papier, Glas, Metall usw.)

  • Ob es sich um Einweg- oder Mehrwegverpackungen handelt

3. Ökologische Abgaben - Finanzierung des Recyclingsystems

Auf Grundlage der gemeldeten Daten zahlen Sie die sogenannte Ökobeitrag an Organisationen der Herstellerverantwortung (PRO). Diese Mittel finanzieren die Sammlung und das Recycling von Verpackungsabfällen.

Welche Verpackungen unterliegen den neuen Vorschriften?

Die neue Verordnung umfasst alle Verpackungsarten - sowohl solche, die an Verbraucher gehen (B2C), als auch industrielle Verpackungen (B2B). Hier ist die vollständige Liste:

Primärverpackung (Verkaufsverpackung)

  • Das ist die Verpackung, in der das Produkt beim Endnutzer ankommt

  • Beispiel: Schuhkarton, Blisterverpackung für Tabletten, Shampoo-Flasche

Sammelverpackung

  • Fasst mehrere Einheiten im Verkaufsregal zusammen

  • Beispiel: Kartonverpackung mit 6 Joghurts

Transportverpackung

  • Schützt die Ware während des Transports

  • Beispiel: Palette mit Stretchfolie, Versandkarton

Serviceverpackung

  • Wird am Verkaufsort befüllt

  • Beispiel: Papiertüte, To-go-Behälter

Verbundverpackung

  • Besteht aus mehreren nicht trennbaren Materialien

  • Beispiel: Milchkarton (Papierschicht + Aluminium + Kunststoff)

Wer ist im Sinne der Vorschriften der Hersteller?

Die entscheidende Frage: Gilt diese Vorschrift für Sie?

Sie sind Hersteller, wenn:

  • Sie als Erster ein verpacktes Produkt in einem bestimmten Land auf den Markt bringen

  • Sie Waren aus Ländern außerhalb der EU importieren

  • Sie online an Kunden in einem anderen EU-Land verkaufen (grenzüberschreitender Verkauf)

Sie sind kein Hersteller, wenn:

  • Ihr Lieferant die EPR-Pflichten in dem betreffenden Land bereits erfüllt hat

  • Beispiel: Sie haben Ihren Sitz in Deutschland, kaufen Produkte von einem spanischen Lieferanten, der sie direkt an spanische Kunden versendet - dann ist der Lieferant der Hersteller

In Zweifelsfällen lohnt es sich, einen auf Umweltrecht spezialisierten Anwalt zu konsultieren.

Benötigen Sie Unterstützung? Umfassender Verkaufsservice für Amazon-Verkäufer.

Wie läuft der Registrierungsprozess ab?

Schritt 1: Identifizieren Sie die Länder, in denen Sie sich registrieren müssen

Prüfen Sie, in welchen Ländern Sie verkaufen und wo Sie Verpackungen erstmals in Verkehr bringen.

Schritt 2: Registrieren Sie sich in den jeweiligen nationalen Systemen

Jedes Land hat sein eigenes System. Hier sind die wichtigsten Adressen:

Land

System/Organisation

Deutschland

LUCID (Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister)

Frankreich

Filières à REP (staatliches Portal)

Spanien

MITECO

Italien

CONAI

Polen

BDO (Datenbank über Produkte und Verpackungen)

Niederlande

Verpact

Belgien

Fostplus (Haushalte), Valipac (B2B)

Irland

Repak

Schweden

Naturvårdsverket oder Näringslivets Producentansvar

Schritt 3: Erhalten Sie Ihre Registrierungsnummer (ERN)

Nach Abschluss der Registrierung erhalten Sie eine ERN-Nummer (Extended Producer Responsibility Number). Achtung: In Ländern mit öffentlichen Registern (wie Deutschland) warten Sie 48-72 Stunden, bis die Nummer im Register erscheint, bevor Sie sie an Amazon übermitteln.

Schritt 4: Melden Sie die Nummer in Amazon Seller Central

Wichtig: Sie müssen dies separat für jedes Land tun!

Vorgehen:

  1. Wählen Sie das Land in der linken oberen Ecke von Seller Central

  2. Gehen Sie zu: Kontozustand → Compliance mit Vorschriften → Verwaltung der Compliance-Anforderungen

  3. Klicken Sie auf "Informationen zur Compliance-Anforderung übermitteln"

  4. Geben Sie Ihre ERN-Nummer ein und speichern Sie

Amazon prüft die Nummer innerhalb von 5 Werktagen. Der Status "Genehmigt" bedeutet, dass alles in Ordnung ist.

Bevollmächtigte Vertreter - wann werden sie benötigt?

Wenn Sie keinen Sitz in dem Land haben, in dem Sie verkaufen, verlangen einige Länder die Benennung eines bevollmächtigten Vertreters. Das ist eine natürliche Person oder ein Unternehmen mit Sitz in dem betreffenden Land, das Sie in EPR-Angelegenheiten vertritt.

  • Verkäufer aus der EU, die in einem anderen EU-Land verkaufen - in der Regel erforderlich

  • Verkäufer von außerhalb der EU - die Anforderungen unterscheiden sich je nach Land

Prüfen Sie vor einer Entscheidung die lokalen Vorschriften des jeweiligen Landes.

Was ist mit dem Service "Pay on Behalf"?

Gute Nachricht: Amazon plant, den Pay-on-Behalf-Service fortzuführen, der die Meldung und Zahlung von Ökobeiträgen automatisiert.

Aber es gibt einen Haken: Auch wenn Sie diesen Service nutzen, müssen Sie sich selbst im EPR-System registrieren und Ihre ERN-Nummer angeben. Der Service befreit Sie nicht von der Registrierungspflicht - er vereinfacht nur die spätere Abrechnung.

FBA - wer ist für welche Verpackungen verantwortlich?

Wenn Sie Fulfillment by Amazon nutzen, ist die Verantwortungsverteilung klar:

Sie sind verantwortlich für:

  • Die Produktverpackung, die das Amazon-Lager erreicht (Verkaufsverpackung)

  • Alle Schichten der Innenverpackung

Amazon ist verantwortlich für:

  • Die Versandverpackung, die bei der Auftragsabwicklung hinzugefügt wird

  • Äußerer Karton, Luftpolsterfolie, Füllmaterial

Welche Konsequenzen drohen bei Nichteinhaltung der Anforderungen?

Amazon kommuniziert klar: Die Nichteinhaltung der EPR-Anforderungen kann zur Deaktivierung von Produktangeboten führen. Das bedeutet, dass Sie in einem bestimmten Land nicht verkaufen können.

Zusätzlich können drohen:

  • Geldstrafen, die von den nationalen Behörden verhängt werden

  • Zollprobleme beim Import von Waren

  • Verlust von Reputation und Kundenvertrauen

Zeitplan - wann passiert was?

  • 22. Januar 2025 - Veröffentlichung der Verordnung 2025/40

  • 2026 - EU-Länder veröffentlichen Details zur Umsetzung (der Prozess läuft)

  • 12. August 2026 - geplantes Inkrafttreten der meisten Anforderungen

  • Frühjahr 2026 - Amazon stellt aktualisierte Informationen zu Pay on Behalf bereit

Nutzen Sie professionelle Unterstützung: Kontaktieren Sie Go2Market.

Praktische Tipps - legen Sie jetzt los

1. Bestandsaufnahme

Listen Sie alle Länder auf, in denen Sie verkaufen, und identifizieren Sie, wo Sie als Hersteller gelten.

2. Bereiten Sie die Dokumente vor

Für die meisten Registrierungen benötigen Sie:

  • Firmendaten

  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

  • Kontaktdaten

  • Prognostizierte Verpackungsmengen (in kg) nach Materialien aufgeschlüsselt

3. Planen Sie das Budget

Berücksichtigen Sie die potenziellen Kosten:

  • Ökobeiträge: abhängig von Menge und Art der Verpackungen

  • Eventuelle Kosten für einen bevollmächtigten Vertreter oder ein Beratungsunternehmen, das die Registrierungen betreut

4. Ziehen Sie professionelle Hilfe in Betracht

Wenn Sie in vielen Ländern verkaufen, können Ihnen spezialisierte Unternehmen (z. B. Compliance-Berater) Zeit und Stress ersparen. Sie übernehmen Registrierungen, Meldungen und Zahlungen in Ihrem Namen.

5. Beobachten Sie die Mitteilungen

Die Lage ist dynamisch. Prüfen Sie regelmäßig:

  • Seller Central (Compliance-Bereich)

  • E-Mails von Amazon

  • Regierungswebsites der Länder, in denen Sie verkaufen

Großbritannien - ein Sonderfall

Achtung: Das Vereinigte Königreich unterliegt nicht der neuen EU-Verordnung 2025/40. Die britischen Anforderungen bleiben unverändert und werden durch separate Vorschriften geregelt. Wenn Sie in Großbritannien verkaufen, prüfen Sie die EPR-Anforderungen, die speziell für diesen Markt gelten.

Wie geht es weiter?

Die neuen Vorschriften sind eine Herausforderung, aber auch eine Chance, ein nachhaltigeres Geschäft aufzubauen. Die Europäische Union strebt konsequent eine Kreislaufwirtschaft an, und Verkäufer, die sich früh an die Anforderungen anpassen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil.

Warten Sie nicht bis zur letzten Minute. Beginnen Sie den Registrierungsprozess noch heute - besonders in Ländern mit längeren Wartezeiten (einige Registrierungen können sogar mehrere Wochen dauern).

Denken Sie daran: Im Zweifelsfall lohnt es sich immer, einen auf Umweltrecht spezialisierten Anwalt oder ein Beratungsunternehmen zu konsultieren, das sich mit Compliance für E-Commerce-Verkäufer befasst.

FAQ – häufig gestellte Fragen zur EPR

Reicht eine einzige EPR-Registrierung in der EU für alle Länder aus?
Nein. Die Registrierung muss in jedem Land separat erfolgen, in dem Sie erstmals ein verpacktes Produkt auf den Markt bringen.

Bedeutet der Online-Verkauf in andere EU-Länder eine EPR-Pflicht?
Ja. Wenn Sie grenzüberschreitend verkaufen und das Produkt in einem bestimmten Land als Erster auf den Markt bringen, unterliegen Sie den EPR-Pflichten.

Welche Daten müssen im Rahmen von EPR gemeldet werden?
Es müssen die Menge der Verpackungen (in kg), ihre Materialart sowie die Information gemeldet werden, ob sie Einweg- oder Mehrwegverpackungen sind.

Unterliegen alle Verpackungsarten der EPR?
Ja. Die Vorschriften umfassen Verkaufs-, Sammel-, Transport-, Service- und Verbundverpackungen – sowohl im B2C- als auch im B2B-Modell.

Wann wird ein bevollmächtigter Vertreter benötigt?
In der Regel dann, wenn Sie keinen Sitz in dem Land haben, in dem Sie verkaufen. Die Pflicht hängt von den lokalen Vorschriften des jeweiligen Landes ab.

Befreit der Pay-on-Behalf-Service von der Registrierungspflicht?
Nein. Der Service vereinfacht die Meldung und die Zahlungen, aber Sie müssen weiterhin selbst eine EPR-Nummer (ERN) erhalten.

Wer ist im FBA-Modell (Amazon) für die Verpackungen verantwortlich?
Der Verkäufer ist für die Produktverpackung verantwortlich, die an das Lager geliefert wird, und Amazon für die Versandverpackung zum Kunden.

Welche Folgen hat die Nichtkonformität mit EPR?
Dies kann zu einer Sperrung des Verkaufs führen (z. B. Deaktivierung von Angeboten bei Amazon), zu Geldstrafen sowie zu Problemen beim Import.

Ab wann gelten die neuen EPR-Vorschriften?
Die meisten Anforderungen sollen am 12. August 2026 in Kraft treten, aber es lohnt sich, mit den Vorbereitungen früher zu beginnen.

Gilt für Großbritannien dieselben EPR-Vorschriften wie für die EU?
Nein. Das Vereinigte Königreich hat eigene EPR-Regelungen und unterliegt nicht der EU-Verordnung 2025/40.

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